Beweidung 2017 - Rückblick - Beweidungsprojekt der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e. V.

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Beweidung 2017 - Rückblick

Auch in diesem Jahr wurden 2 Flächen im NSG-Bratental (Steinbruch & Hang) sowie 2 Flächen in unmittelbarer Nähe (neben Plantage & Feldbornberg) in Göttingen beweidet. Neu hinzugekommen ist ein kleiner südexponierter Hang in Gleichen.

Kleinere Optimierungen im Beweidungskonzept versprachen großartige Erfolge. In diesem Jahr fand dauerhaft die Beweidung mit 2 Mischherden, jeweils bestehend aus etwa 10 Ziegen und Schafen, statt. Die Auswahl der Schafsrassen orientierte sich an dem Vegetationsbewuchs der Flächen. Insgesamt erfolgten zwei Beweidungsdurchgänge. Beginn der Beweidungssaison war Anfang April, die letzten Tiere wurden Anfang Dezember abgetrieben.

Damit zukünftig weitere und auch unrentable Flächen, auch im Landkreis Göttingen, beweidet werden können, benötigen wir zukünftig weitere Zäune, Stromgeräte und einen professionellen Transportanhänger. Mit Sach- und Geldspenden können Sie das Projekt langfristig unterstützen.


Beweidungskonzept
Die Beweidung findet in Absprache mit dem Umweltamt der Stadt Göttingen statt. Darüber hinaus findet eine enge Kooperation mit weiteren fachlich kompetenten Akteuren aus den Arbeitsbereichen der Orchideen, Wildbienen und Pilze statt.
In diesem Jahr beweideten dauerhaft 2 Herden Koppeln von einer Größe von 2500 – 5000 m². Je nach Größe und Bewuchs der Flächen graste die Herde im Schnitt 1 – 3 Wochen je Koppel. Zwar weist eine kleinflächige Koppelbeweidung mehr Arbeitseinsatz auf, folgende Vorteile verspricht Sie jedoch:

  • Aufgrund der relativen kleinen Flächeneinteilung finden nicht auf dem gesamten Biotop Fraßaktivitäten statt und die Mehrheit der blühenden Kräuter bleiben vorerst erhalten, abgebissene können nach der Beweidung nachwachsen. Den Insekten bleiben somit genügend Ausweichmöglichkeiten und Nahrung erhalten.
  • Auf der zu beweidenden Koppel findet innerhalb eines kurzen Zeitraums eine intensive Beweidung statt. Nach dieser Beweidung findet auf dieser Fläche für mindestens 10 Wochen keine Fraß- und Trittaktivitäten mehr statt. Die zuvor kahl gefressene Weide erholt sich innerhalb weniger Wochen und wandelt sich in eine blühende Landschaft zurück.
  • Durch den stetigen Wechsel der Flächen besteht ein geringeres Risiko zur Bildung von Endoparasiten bei den Herdentieren. Aus diesem Grund kann auf eine prophylaktische Wurmkur verzichtet werden. Dadurch ist die Losung der Tiere später für Pilze zugänglich.
  • Bei den jährlichen Beweidungsrhythmen wird darauf geachtet, dass im darauf folgenden Jahr nicht die selbe Fläche/Koppel zum selben Zeitpunkt wie im Jahr zuvor beweidet wird. Dadurch können die Pflanzen, die in einem Jahr zur Blütezeit gefressen wurden, im darauf folgenden Jahr zur Samenbildung gelangen.
  • Zurzeit sind mindestens zwei Beweidungen notwendig, um überhaupt den starken Austrieb der Gehölze Herr zu werden. Fand auch in der Vergangenheit eine Entkusselung oder Verbiss statt, so besitzen die Pflanzen (allen voran Hasel, Schlehe, Weißdorn und Roter Hartriegel) noch ein sehr hohes Potenzial an Austriebskraft. Diese können innerhalb von 3 Monaten auch 1 Meter hohe Stockausschläge erreichen.

Gezäunt wird wenn möglich nicht innerhalb einer Fläche vor dem Gebüschsaum, sondern außerhalb inklusive Gebüschsaum direkt an angrenzender Nachbarfläche. Dabei werden die vorhandenen Gebüsche zurückgebissen und gelichtet. Vorteilhaft dabei ist, dass die zunehmende Ausdehnung und Stockausschläge der Gehölze auf der Beweidungsfläche entgegengewirkt wird. Auf anderer Seite der Gebüsche werden diese und der schmale Gras-Randstreifen gepflegt. Dem Landwirt bleibt somit eine aufwendige Heckenpflege und Mahd erspart. Es findet somit auch eine schonende Heckenpflege statt. Die Befürchtung auf einen möglichen, oft vorkommenden rabiaten Gebüschschnitt ist somit nicht gegeben.


Ist die Offenhaltung der Beweidungsfläche gewährleistet, können manche Flächen auch stetig vergrößert werden, da z. T. ein Drittel bis zur Hälfte des ursprüngliche Biotops schon mit Bäumen und Büschen stark zugewachsen ist. Dabei wird der Buschbereich gesamt oder zu einem Teilbereich in die Koppel integriert. Durch schälen der Rinde und Windwurf entstehen Lichtlöcher. Aufgrund des Lichteinwurfs wächst eine Krautvegetation an. Durch dieses langsame Anwachsen findet kein schlagartiges Wachstum von Pioniergehölzen statt, wie es bei einem Kahlschlag der Fall wäre. Über Jahre hinweg kann so wieder ein typischer Magerrasen mit einem älteren Baumbestand entstehen.

Im äußersten Schritt kann man auch darüber nachdenken, aktiv in den Baum- und Buschbestand sowie bei stark ausgebreiteten Stockausschlägen durch Fällungen, bzw. Entfernungen einzugreifen. Dies macht vor allem Sinn in ausgedunkelten Gebieten, wie z. B. bei Schlehenbeständen. Dehnt man diese Maßnahme auf mehrere Jahre aus und entfernt pro Jahr einen Durchmesser von einigen Metern, so findet ein kontinuierlicher Wachstum der Krautvegetation statt. Durch regelmäßige Beweidung stehen die Erfolgsaussichten größer, dass diese Flächen in Zukunft nicht wieder verbuschen.
 

Auswahl der Tiere
Eingesetzt werden Deutsche Edelziegen sowie 2 bedrohte Schafsrassen. Sie sind genügsam und weisen optimale Eigenschaften für die mageren Verhältnisse dieser Flächen aus. In Kombination mit den Ziegen verspricht dies hervorragende Ergebnisse.

  • Skudden sind eine anspruchslose und robuste Schafsrasse, die auch Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt ertragen können. Die Tiere sind für Standorte mit mageren Verhältnisse gezüchtet und somit die idealen Landschaftspfleger. Sie sind kleiner und leichter als typische Fleischrassen. Die Tiere erhalten etwa alle 9 Monate Nachwuchs von 1 – 2 Lämmer. Aufgrund ihrer kleineren Erscheinung gibt es allenfalls mit starkem Brombeerbewuchs Probleme. Auf diesen Flächen sollten diese Tiere nicht eingesetzt werden. Skudden fressen fast alle Gräser und Kräuter, selbst unbeliebte Brennnessel. Dazu verbeißen und schälen sie auch Sträucher und Jungbäume. Selbst kniedicke glatte Stämme, wie dir der Eschen und Hasel werden geschält.
  • Coburger Füchse sind dagegen recht stattliche Schafe mit einem ordentlichen Fleischanteil. Auch sie sind ideale Landschaftspfleger, die gerne Brombeeren und Brennnessel verbeißen. Aufgrund ihrer etwas höheren Ansprüche sind sie ab Mitte November jedoch nicht mehr mit einem Magerrasen zufrieden zu stellen. Sie sind etwas kultivierter als Skudden.

  • Deutsche Edelziegen werden sowohl für Ziegenmilch wie auch für die Landschaftspflege eingesetzt. Sie fressen im Gegensatz zu den meisten "gewöhnlichen" Schafen bevorzugt Blätter, junge Triebe, Sträucher und Gestrüpp. An Sträuchern und Bäumen richten sie sie auf den Hinterbeinen auf und fressen genüsslich mit gestrecktem Hals das Laub. Dornige und stachlige Sträucher sind für sie kein Problem, die Blätter werden geschickt heraus gefressen.
 

Flächen
  • Südhang Kerstlingerode
Neben den beweideten Flächen wie im Vorjahr im und in der Nähe vom NSG-Bratental wird nun auch ein kleiner südexponierter Hang im urbanen Gebiet von Kerstlingerode beweidet. Die Besonderheit hier ist das Vorkommen des Ölkäfers (Meloe proscarabaeus), dessen Larven auf solitär lebenden Bienen angewiesen sind. Diese Fläche drohte nach der Entfernung der Fichten im Jahr 2015 vom Essigbaum überwucht zu werden. Nach einer kurzen Beweidung im Spätherbst wurden die Stockausschläge restlos geschält. Die Entwicklung wird weiter dokumentiert.

  • Steinbruch
Im Herbst 2016 erfolgte auf einem Flächenabschnitt - eine mesophile Weide -, der stark von Stockausschlägen ausgeprägt war, eine vollständige Entusselung. Anfang 2017 sind zwei südexponierte Felsenwände über das Wildbienenprojekt der BSG von Gebüschen freigestellt worden, um den Lebensraum für die Bienen zu verbessern. Im Dezember fand eine weitere Freistellung des Steinbruchs statt, dabei wurden Schlehenbüsche und Bäume entfernt. Die nördlich gelegene Steinbruchkante ist nun komplett freigelegt. Darüber hinaus fand eine permanente Ausdehnung der Beweidung im Gehölzbestand statt.

  • Feldbornberg
Die Flächen vom östlichen Feldbornberg wurden in diesem Jahr komplett beweidet. Auch wenn die Hälfte dieser Fläche noch mit Baum- und Buschbestand bewachsen ist, so lieferten Ziegen, Schafe und heftige Winde ihr Bestes. Viele Sträucher und Bäume wurden geschält, bzw. vom Sturm umgeworfen.

  • Plantage
Die stark beschattete Fläche neben der Plantage wurde im Buschbestand weiterhin geschält, eine Auflichtung im Bestand ist erkennbar.

  • Hang
Eine Besonderheit gilt noch zu erwähnen für den Steilhang im Bratental. Hier besteht ein Vorkommen der Herbstzeitlose (Colchicum autumnale). Diese stark giftige und geschützte Pflanze wird in einem Beweidungsrhytmus ausgezäunt. In einem kurzen Zeitpunkt jedoch - zwischen Mitte August und Mitte September - ist diese Pflanzenart nicht präsent, zu dieser Zeit ist eine Beweidung ohne Gefahr für die Tiere möglich. Anfang des Jahres fand hier ein weiterer Pflegeeinsatz seitens der BSG und den RüRiGs statt. Wie im Jahr zuvor der nordöstliche, wurde diesmal der südwestliche Teil entkusselt.


 
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