Beweidung 2018 - Rückblick - Beweidungsprojekt der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e. V.

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Beweidung 2018 - Rückblick

In diesem Jahr wurden neben den 4 Flächen im und am Bratental („Steinbruch“, „Hang“, „Plantage“, „Feldbornberg-Ost“) drei weitere Kalk-Magerrasen im Gebiet der Stadt Göttingen beweidet. Hinzu kamen der Pfingstanger, eine als Naturdenkmal geschützte Fläche am Westhang und der südlich exponierte Kalkmagerrasen „Am Bärenberg“ des Feldbornberges. Im November kam noch die Anfrage den „Kartoffelstein“, ebenfalls ein Kalkmagerrasen und eine als Naturdenkmal geschützte Fläche in Herberhausen, zu beweiden.
In der Gemeinde Gleichen konnte eine Hangweide hinzu gewonnen werden. Hierbei handelt es sich um eine ca. 0,5 ha große Fläche bei Benniehausen (Waterloo).

Pfingstanger
Der Pfingstanger mit einer Größe von 1,5 ha erstreckt sich über einen 15 bis 20 Meter hohen, west- bis nordwestorientierten Steilhang am Fuße des Feldbornberges in der Gemarkung Nikolausberg. Der Untergrund besteht im Wesentlichen aus Muschelkalk. An Vegetationstypen finden sich Trockengebüsche kalkreicher Standorte wieder. Der Kalk-Magerrasen ist als Assoziation mit einer Enzian-Schillergrasrasen-Gesellschaft (Gentiano-Koelerietum) anzusprechen, mit starker Dominanz der Gräser Aufrechte Trespe (Bromus erectus) und Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum).
Eine Besonderheit ist das Vorkommen des Schmalblättrigen Leins (Linum tenuifolium, RL1). Der Lein kommt in Niedersachsen nur auf zwei Wuchsorte, neben dem Pfingstanger noch im Bratental, vor.
Nördlich angrenzend zum Magerrasen befindet sich ein offengelassener Handsteinbruch, der z. T. mitbeweidet wird.



Seit 2008 finden auf dem Pfingstanger Pflegeeinsätze seitens der BSG und eine Ziegenbeweidung statt. Die 14 - 25 Individuen des Schmalblättrigen Leins konnten aufgrund der Pflege stabil gehalten werden. 2016 und 2017 fand jedoch keine Beweidung mehr statt. Die Anzahl sank in den letzten 2 Jahren auf 10 Individuen.
Seit 2018 findet mit einem neuen Konzept wieder eine extensive Beweidung statt. Das Beweidungskonzept sieht nun vor, dass erst nach der Samenreife des Leins, also frühestens im August mit Ziegen und nun auch mit Schafen die gesamte Fläche beweidet wird. Dadurch erhoffen wir uns, dass der Boden durch den Tritt entfilzt wird und der Samen eine Keimfläche vorfindet. Stockausschläge werden zurück gebissen und durch die Schafe wird das Gras deutlich besser abgebissen. Darüber hinaus findet auch die bewährte Koppeleinteilung statt, d. h. die Fläche wird in mehreren kleinen Beweidungsflächen eingeteilt. Dies hat den großen Vorteil, dass nicht innerhalb kurzer Zeit alle blühenden Kräuter abgefressen werden und für die Insekten eine Ausweichmöglichkeit bestehen bleibt.

Weitere bemerkenswerte Arten sind:
Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris, RL3), Mittleres Zittergras (Briza midia, RLV), Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale, RL3), Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea, RL3), Wiesen-Hafer (Helictotrichon pratense, RL3), Gewöhnliche Hufeisenklee (Hippocrepis comosa, RL3), Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera, RL3), Echte Schlüsselblume (Primula veris, RLV), Rundblättriges Wintergrün (Pyrola rotundifolia, RL2) (am Steinbruch) und Großer Ehrenpreis (Veronica teucrium, RLV).

Am Bärenberg
Hierbei handelt es sich um einen Kalk-Magerrasen in z. T. weiteren Sukzessionsstadien. Auch hier fand im vergangenen Jahr keine Beweidung statt. Diese zum Teil durch den Roten Hartriegel, der Schlehe und dem Weißdorn stark verbuschte Fläche, erfuhr jedoch vor einigen Jahren im unwegsamen östlichen Teil Pflegemaßnahmen indem Schneisen geschlagen worden sind. Im darauf folgenden Jahr fand auf diesen Schneisen eine regelrechte Enzianexplosion statt.
Bis vor 2 Jahren fand auch eine Ziegenbeweidung statt. Man erkennt einen langsamen Rückgang der Gehölze aufgrund des Verbisses und dem Schälen der Rinde. Viele Gebüsche sind schon abgestorben und stehen und liegen als Totholz auf der Fläche.
Westlich der Fläche findet man einen offenen Magerrasen-Charakter vor. Leider ist die Fläche jedoch noch stark verfilzt. Dies dürfte sich jedoch in der nächsten Zeit aufgrund der aktuellen Schaf- und Ziegenbeweidung ändern.
Weiter westlich gelegen befindet sich noch ein schmaler Bereich einer ehemaligen Streuobstwiese. Diese Fläche ist jedoch komplett mit Gebüschen überwuchert. Hier bedarf es zuvor einige Pflegeeinsätze um überhaupt eine Beweidung initiieren zu können.

Kartoffelstein
Der Kartoffelstein ist ein Gedenkstein auf der Spitze des Hasenknülls, eines kleinen Hügels am nordöstlichen Ortsrand von Herberhausen. Die Kalksteinkuppe des oberen Muschelkalks weist eine Größe von etwa 0,3 ha auf. Bei der Vegetation handelt es sich um Reste eines Kalkmagerrasens mit umgebenden Verbuschungsstadien und Gehölzen. Der Hügel ist als ein flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen. Hier befindet sich ein Vorkommen des Großen Windröschens (Anemone sylvestris, RL 2), das jedoch von der zunehmenden Verbuschung und Verfilzung der Fläche gefährdet ist. Die Fläche wurde in der Vergangenheit sporadisch beweidet, ebenso fand auch eine Mahd, jedoch ohne Abtrag statt. Ein kleiner Teil des Magerrasens ist gut ausgebildet, im größten jedoch dominiert der Rote Hartriegel.

Weitere bemerkenswerte Arten sind:
Heide-Labkraut (Galium pumilum, RL 3), Wiesen-Hafer (Helictotrichon pratense, RL 3), Hufeisenklee (Hippocrepis comosa, RL 3), Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera, RL 3) und Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula, RL 3)

Beweidungssaison, ein kurzer Rückblick
Beginn der Beweidungssaison war in diesem Jahr der 13. April. Die Skudden wurden auf die Fläche Waterloo in Gleichen gebracht. Diese Weide war schon saftig grün und die Tiere durften wieder frisches Gras fressen. Kurz darauf wurden die Ziegen zu der stark verbuschten Fläche Plantage gefahren. Die ersten Sträucher trieben aus und die Ziegen konnten die frischen Blattaustriebe naschen. Kurze Zeit später durften auch die Coburger Füchse ihren Außendienst antreten. Sie wurden auf der Fläche Feldbornberg-Ost ausgesetzt, wo sie dann auch bis zum Oktober verblieben.
Ab Mai wurden die Herden neu durchmischt und es entstanden Schaf-Ziegenmischherden (Herde Ebi, Herde Engelchen & Herde Pluto; benannt nach den Kontakttieren). Herde Ebi wurde zum Bärenberg verfrachtet wo sie bis Ende Oktober verblieben. Herde Engelchen durfte den ehemaligen Steinbruch beweiden. Anfang August gab es dann einen Zwischenstopp auf dem Hang, da hier nun die Herbstzeitlose eine Pause einnahm und die Herde gefahrenlos weiden konnte. Nach 5 Wochen wurden sie weiter zum Pfingstanger gebracht, den sie dann bis Ende November mit bestem Gewissen pflegten. Sträucher wurden allesamt verbissen und geschält, durch den Tritt fand eine Bodenverwundung (gut für die Keimung neuer Pflanzen, wie z. B. dem Schmalblättrigen Lein) und Entfilzung statt.
Ab November durfte dann Herde Ebi zum Steinbruch um die unverrichtete Arbeit einzelner Flächenabschnitte (Koppel) fortzuführen. Anschließend gab es eine zweite Beweidungsrunde auf den schon im Frühjahr beweideten Flächen im Steinbruch bis kurz vor Weihnachten.
Herde Engelchen wurde im November kurzfristig noch zum Kartoffelstein im nahe liegenden Herberhausen transportiert. Nach 3 Wochen gesellten sie sich dann noch mit Herde Ebi bis kurz vor Weihnachten am Steinbruch.
Während dessen wurde Herde Pluto Mitte Oktober nach Gleichen zur Fläche Waterloo gebracht. Coburger Füchse zeigen höhere Ansprüche als Skudden auf und benötigen zum Herbst hin proteinreicheres Gras, das auf den Magerrasen nicht mehr zu finden ist.
Kurz vor Weihnachten wurden dann die Ziegen eingestallt, die Schafe durften noch auf Winterweiden im heimatlichen Kerstlingerode und Rittmarshausen verbleiben.

Aufgrund eines neuen Pachtvertrages der Stadt mit einem Landwirt wird die Fläche Plantage zusammen mit der darunterliegenden Weide (einem ehemaligen Acker) seit diesem November mit Rindern beweidet. Somit findet hier in der kommenden Saison keine Beweidung mehr mit Schafen und Ziegen statt.


Untypisch aber erfreulich wurden im Sommer 3 Lämmer geboren. Nach den diesjährigen fast ausschließlich Lammbockgeburten im Spätwinter (nur ein Weibchen war dabei), sind die 3 Sommerlämmer glücklicherweise Weibchen.

Auch bemerkenswert war die anhaltende Trockenheit. Rekord-Wasserfahrten waren nötig. Im Schnitt trank ein Tier 3 Liter Wasser am Tag, also fast 100 Liter/Tag musste in Kanister herangefahren werden. Nach der Beweidung gab es so gut wie keinen Zuwachs der Gräser und Kräuter, so dass die zweite Beweidungsrunde z. T. nicht stattfinden konnte. Futtermangel gab es jedoch dank der neuen Flächen nicht. Nur auf der Fläche Feldbornberg-Ost musste improvisiert werden. Hier wurden kurzerhand (mit Genehmigung natürlich) die nicht genutzten und vom Zuwachs bedrohten Feldwege beweidet.

 
Suchen
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü