Beweidungskonzept - Beweidungsprojekt der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e. V.

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Beweidungskonzept

Das Projekt
Die Beweidung findet in Absprache mit dem Umweltamt der Stadt Göttingen, des Landkreises Göttingen, bzw. den Niedersächsischen Landesforsten statt. Darüber hinaus findet eine enge Kooperation mit weiteren fachlich kompetenten Akteuren aus den Arbeitsbereichen der Fauna, Flora und Mykologie statt.

Zu Beginn wurden die Flächen mit einer Herde von etwa 20 - 30 Tieren großflächig beweidet. Seit 2016 wird nun, mit einer überschaubaren Mischherde an Schafen und Ziegen von etwa 10 Tieren, eine unterteilte Fläche (Parzelle) beweidet. 2017 beweiden dauerhaft 2 Herden, seit 2018 gar 3 Herden Parzellen von einer Größe von 2500 – 5000 m². Je nach Größe und Bewuchs der Flächen grast die Herde im Schnitt 1 – 3 Wochen je Einheit. Zwar weist eine kleinflächige Koppelbeweidung mehr Arbeitseinsatz auf, folgende Vorteile verspricht Sie jedoch:
  • Aufgrund der relativ kleinen Flächeneinteilungen finden nicht auf dem gesamten Biotop Fraßaktivitäten statt und die Mehrheit der blühenden Kräuter bleiben vorerst erhalten, abgebissene können nach der Beweidung nachwachsen. Den Insekten bleiben somit genügend Ausweichmöglichkeiten und Nahrung erhalten.
  • Auf der zu beweidenden Parzelle findet innerhalb eines kurzen Zeitraums eine intensive Beweidung statt. Nach dieser Beweidung findet auf dieser Fläche für mindestens 10 Wochen keine Fraß- und Trittaktivitäten mehr statt. Die zuvor kahl gefressene Weide erholt sich innerhalb weniger Wochen und wandelt sich in eine blühende Landschaft zurück.
  • Durch den stetigen Wechsel der Flächen besteht ein geringeres Risiko zur Bildung von Endoparasiten bei den Herdentieren. Aus diesem Grund kann auf eine prophylaktische Wurmkur verzichtet werden. Dadurch ist die Losung der Tiere später für Pilze und Insekten zugänglich.
  • Bei den jährlichen Beweidungsrhythmen wird darauf geachtet, dass im darauf folgenden Jahr nicht dieselbe Parzelle zum selben Zeitpunkt wie im Jahr zuvor beweidet wird. Dadurch können die Pflanzen, die in einem Jahr zur Blütezeit gefressen wurden, im darauf folgenden Jahr zur Samenbildung gelangen.
  • Zu Beginn der Beweidung auf einer neuen Fläche sind mindestens zwei Beweidungen im Jahr notwendig, um überhaupt den starken Austrieb der Gehölze Herr zu werden. Fand auch in der Vergangenheit ein Entkusseln oder Verbiss statt, so besitzen die Pflanzen (allen voran Hasel, Schlehe, Weißdorn und Roter Hartriegel) noch ein sehr hohes Potenzial an Austriebskraft. Diese können innerhalb von 3 Monaten auch 1 Meter hohe Stockausschläge erreichen. Nach zwei bis vier Jahren regelmäßiger Beweidung schwindet allmählich die Austriebskraft der Gehölze und es reicht zukünftig eine einmalige Beweidung im Jahr (auf Kalk-Magerrasen).
Gezäunt wird wenn möglich nicht innerhalb einer Fläche vor dem Gebüschsaum, sondern außerhalb inklusive Gebüschsaum direkt an angrenzender Nachbarfläche. Dabei werden die vorhandenen Gebüsche zurückgebissen und gelichtet. Vorteilhaft dabei ist, dass die zunehmende Ausdehnung und Stockausschläge der Gehölze auf der Beweidungsfläche entgegengewirkt wird. Auf anderer Seite der Gebüsche werden diese und der schmale Gras-Randstreifen gepflegt. Dem Landwirt bleibt eine aufwendige Heckenpflege und Mahd erspart. Es findet somit auch eine schonende Heckenpflege statt. Die Befürchtung auf einen möglichen, oft vorkommenden rabiaten Gebüschschnitt ist dadurch nicht mehr gegeben.

Sollte jedoch vom anliegenden Acker ein zu hoher Pestizideintrag ausgehen, ist es ratsam einen dichten Gebüschsaum aufrecht zu erhalten. Nur so kann die empfindliche Vegetation auf dem Magerrasen bestmöglich geschützt werden.
Ist die Offenhaltung der Beweidungsfläche gewährleistet, können manche Flächen auch stetig vergrößert werden, da z. T. ein Drittel bis zur Hälfte des ursprüngliche Biotops schon mit Bäumen und Büschen stark zugewachsen ist. Dabei wird der Buschbereich gesamt oder zu einem Teilbereich in die Koppel integriert. Durch schälen der Rinde und Windwurf entstehen Lichtlöcher. Aufgrund des Lichteinwurfs wächst eine Krautvegetation an. Durch dieses langsame Anwachsen findet kein schlagartiges Wachstum von Pioniergehölzen statt, wie es bei einem Kahlschlag der Fall wäre. Über Jahre hinweg kann so wieder ein typischer Magerrasen mit einem älteren Baumbestand entstehen.
Im äußersten Schritt kann man auch darüber nachdenken, aktiv in den Baum- und Buschbestand sowie bei stark ausgebreiteten Stockausschlägen durch Fällungen, bzw. Entfernungen einzugreifen. Dies macht vor allem Sinn in ausgedunkelten Gebieten, wie z. B. bei Schlehenbeständen. Dehnt man diese Maßnahme auf mehrere Jahre aus und entfernt pro Jahr einen Durchmesser von einigen Metern, so findet ein kontinuierliches Wachstum der Krautvegetation statt. Durch regelmäßige Beweidung stehen die Erfolgsaussichten größer, dass diese Flächen in Zukunft nicht wieder verbuschen.
 
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