Beweidungsprojekt der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e. V.

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Herzlich willkommen zum Beweidungsprojekt der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e. V.

2015 initiierte die BSG das Beweidungsprojekt im Landkreis und Stadtgebiet Göttingen.
Ziel dieses Projektes ist es schützenswerte Biotope dauerhaft und nachhaltig zu erhalten, bzw. zurück zu versetzen.
Zudem werden Jung- und Hobbyschäfer beraten. Auf Wunsch werden Pflegekonzepte mit Priorität auf extensive Bewirtschaftung erstellt. Die Förderung von heimischer ursprünglicher Flora findet in Absprache mit fachlich kompetenten Akteuren aus den Bereichen Insekten, Botanik und Mykologie statt.

Einige Flächen sind in der Vergangenheit durch Pflegemaßnahmen seitens der Umweltverbände in einem beweidungsfähigen Zustand zurückgeführt worden. Aufgrund der Sukzession bedarf es jedoch einer ständigen Pflege dieser Flächen. Diese Arbeit verrichten immer noch am besten und wie in den letzten Jahrhunderten auch üblich unsere tierischen Landschaftspfleger wie Schafe, Ziegen, Pferde und Rinder. Sie prägten somit durch diese extensive Beweidung unsere heutige Kulturlandschaft.

Schützenwerte Biotope sind im Göttinger Raum vor allem Kalkmagerrasen. Aufgrund der Nährstoffarmut bereichern diese Flächen uns an einer hohen und seltenen Artenvielfalt. Viele Rote Liste-Arten tauchen nur auf diesen Flächen auf. Diese drohen jedoch mangels Beweidung durch Schlehen, Weißdorn und Hartriegel zu verbuschen.


Aktuelles
Wer schon lange überlegt auch Weidetiere zu halten, sei es als Hobby, Neben- oder Haupterwerb, der könnte jetzt überzeugt werden. Denn das Umweltamt von Niedersachsen (NLWKN) bietet seit Februar 2019 eine 100% Förderung für wolfssicheres Equipment, wie Weidezäune, Weidestromgeräte, etc. an.
Auch gestandene Weidetierhalter können ihr Inventar aufrüsten. Weitere Infos hier.


Kommentar
Jedes Jahr im Spätwinter beginnt die Lammzeit. Es ist eine aufregende und auch schöne Zeit für den Schäfer. Sicherlich gibt es auch in dieser Zeit hin und wieder trauriges zu vermelden. Es passiert immer wieder mal, dass ein Lamm nicht von der Mutter angenommen wird oder gar stirbt. Im Großen und Ganzen ist es aber eine erfreuliche Zeit. Allein zu sehen wie die kleinen Lämmer nach wenigen Tagen voller Lebensmut miteinander spielen, herumspringen, ihre Neugier befriedigen und den eigenen Charakter entwickeln, verzeiht jeden stressigen Moment.
Der Zeitpunkt zum Austrieb steht nun kurz bevor. Ab Mitte April verbringen die Ziegen- und Schaflämmer gemeinsam mit ihren Müttern ihre Tage bis zum Spätherbst in geschützten Biotope und im Naturschutzgebiet Bratental. Die Lämmer erhalten somit selbst noch nach einigen Monaten immer noch einen Schluck gute Milch aus dem Euter ihrer Mutter.

Auf den Flächen grasen und verbeißen die Tiere so ziemlich alles was ihnen ins Maul gerät. Das ist auch gut so und gewollt. Denn die Tiere haben eine sinnvolle Tätigkeit. Sie pflegen die Kalk-Magerasen um Göttingen herum. Würden sie dies nicht tun, verbuschen die Flächen mit einigen wenigen Sträucher wie z. B. Hartriegel, Schlehe und Weißdorn. Viele seltene, geschützte Pflanzen und Insekten hätten dann keine Chance hier zu gedeihen.

Nicht jede beliebige Schafsrasse kann diese Arbeit verrichten. Fleischschafe beispielsweise würden auf diesen Magerrasen schlichtweg verhungern. Hierfür werden Spezialisten eingesetzt. Bedrohte Schafsrassen, die sehr genügsam sind und leider auch sehr klein. In diesem Fall werden u. a. Skudden eingesetzt. Ihre Wolle ist zur heutigen Kunstfaserzeit nicht mehr vermarktungsfähig (leider ein prinzipielles Problem fast aller Schafsrassen in Europa), aber trotzdem für die Verbreitung vieler Pflanzensamen unabdingbar. Geschert werden müssen sie trotzdem einmal im Jahr.

Nach der Beweidungssaison im Spätherbst müssen die Lammböcke aussortiert werden. Hier würden Rivalitätskämpfe Verletzungen hervorrufen. Nun ist für manch ein Tier die Zeit gekommen, nach glücklichen und schönen 10 Monaten, Abschied zu nehmen.
Spätestens jetzt beginnt für den Schäfer die Suche nach Abnehmern. Dies ist gar nicht so einfach, gerade für Skudden. Es gibt kaum noch Schafhalter oder solche die es werden wollen. Das kleinwüchsige Schaflamm weist ein Schlachtgewicht von etwa nur 5 kg auf. Ideal für den Singlehaushalt bis hin zur kleinen Familie. Die Industrie bevorzugt lieber dicke große Schafe. Leider sind kaum noch Menschen bereit ganze Tiere zu erwerben, bietet der Supermarkt doch abgepacktes Fleisch in kleinen Portionen an. Herkunft weit weg, Aufwuchs und Haltung unbekannt! Egal denken viele und wenn dann das Fleisch zäh ist und nach "Schaf" schmeckt, ist man angeekelt und probiert nie wieder Lamm.
Glückliches Lamm, das ordentlich geschlachtet wird, Zeit für die Reifung (2-3 Tage) erhält, schmeckt nicht nach "Schaf" und ist schön zart! Ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen bei einer Blindverkostung gar nicht sagen könnten, dass dies Lamm ist.

Mehr Regionalität, sinnvolle und gesunde Fleischproduktion (das Tier ist nicht zum Schlachten geboren, keine Medikamente, kein genmanipuliertes Futter) und Nachhaltigkeit geht nicht!

Noch gibt es Schafhalter und Familienschlachtbetriebe in der Region, fast jeder hat ein Tiefkühltruhe und der Preis z. B. für eine Skudde mit 40€ ist sehr erschwinglich. Die Schlachtkosten belaufen sich auf etwa 35€. Dieses Fleisch kann man mit gutem Gewissen genießen, so manch ein Vegetarier ist hierbei schon schwach geworden.
Leider ist es den "kleinen Betrieben" nicht erlaubt Einzelstücke des Tierkörpers zu veräußern. Sprechen Sie die Schafhalter direkt an, die meisten kennen auch einen Schlachtbetrieb in der Nähe.

Auch Schafswolle fällt jedes Jahr im Frühjahr an. Meist landet sie auf den Müll, viel zu schade! Rohwolle ist ein perfekter Langzeitdünger oder als Unkrautvlies zu gebrauchen. Wer Zeit hat kann ja auch mal wieder anfangen zu stricken, so ein Wollpulli hält sicher länger als nur 1-2 Jahre und ist sicherlich ein perfektes Geschenk. Fast alle Schafhalter verschenken dieses edle Ausgangsprodukt.

 
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