Wurmvorbeugendes Weidemanagement - Beweidungsprojekt der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e. V.

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Wurmvorbeugendes Weidemanagement

Das Projekt
Ein gutes Weidemanagement erübrigt den Einsatz von (prophylaktischen) Wurmkuren und bietet vielfach die bessere Alternative. Wurmkuren helfen zwar den Weidetieren gegen Wurmbefall und führen kurzfristig zum Absterben dieser Endoparasiten. Mit den Ausscheidungen der Pharmazeutika verenden allerdings auch Nützlinge wie Dungkäfer und kotzersetzende Pilze. Pflanzensamen, die durch den Kot ausgeschieden werden, haben ihre Keimkraft verloren. Der biologische Kreislauf zur Entstehung von Humus ist gestört, der Dung kann sich nun über Jahre hinweg nicht zersetzen.
Auch können sich Resistenzen entwickeln, so dass eine oder mehrere Wurmarten unempfindlich gegenüber einem oder mehreren Arzneimitteln geworden sind. Die eingesetzten Präparate besitzen somit keine Wirkung mehr. Schafe bilden außerdem eine Immunität gegen Magen-Darm-Strongyliden aus. Im Alter von 5 - 9 Monaten kann die Eiausscheidung sinken und adulte Würmer können abgetrieben werden. Altschafe scheiden zwar MDS-Eier aus, erkranken aber meist nicht mehr. Die Fähigkeit zur Immunitätsentwicklung hängt u. a. vom Lebensalter und dem Ernährungszustand ab. Die Immunitätsbildung erfordert einen ständigen Wirt-Wurm Kontakt. Deswegen behindert eine permanente Anwendung von Wurmkuren die Entwicklung einer Immunität im Wirtstier. Ein guter Allgemeinzustand während der gesamten Weidesaison garantiert das Wohlbefinden und die Leistung der Herde und damit eine gute Widerstandskraft gegen Endoparasiten.
Eine Immunität ist die erworbene Widerstandskraft eines Wirtes gegen einen Parasiten. Diese Abwehr muss das Tier selbst entwickeln. Durch direkten Kontakt der Larven und geschlechtsreifen Würmer mit den Schleimhäuten im Darm, Lunge usw. rufen sie beim Wirtstier eine Abwehrreaktion hervor. Ab den 6. Lebensmonat kann die Immunitätsbildung beginnen, wenn das Lamm ausreichend Kontakt zu Würmern hat. Dazu ist eine gewisse Befallsstärke notwendig, dann wird die Immunität belastbar und das Tier erkrankt nicht mehr. Wenn die Tiere keinen oder nur sehr geringen Kontakt zu MDS erhalten (z. B. bei wiederholter Langzeitbehandlung) bilden sie nur geringe Abwehrkräfte.
Bei Ziegen sind auch die erwachsenen Tiere schlechte Abwehrbildner. Hier kann tatsächlich eine Wurmkur sinnvoll sein. Je nach Körperkondition sollte diese dann jedoch zur Stallzeit stattfinden, damit die anschließenden (giftigen) Ausscheidungen nicht auf die Weide gelangen.

Schafe und Ziegen infizieren sich mit den Parasiten meist auf Weiden, die kontaminiert sind. Ziemlich sicher, also frei von Wurmlarven, sind neu eingesäte Weiden, Weiden mit reiner Schnittnutzung im Vorjahr und Weiden, die im gesamten Vorjahr nicht mit Schafen oder Ziegen beweidet wurden. Relativ sicher sind Weiden, auf der ab August des Vorjahres nur noch Pferde oder Rinder grasten oder nach dem 1. August nur noch der Schnittnutzung dienten. Auch kontaminierte Weiden vom Vorjahr, die nach dem 1. Juni in diesem Jahr beweidet werden gelten als relativ sicher.

Hier stellen wir nun einige praktische, einfache und effektive Maßnahmen vor:
  • So gelten Weidenauftriebe ab Juni als relativ sicher, da die meisten überwinterten Larven aus dem Vorjahr ihre Energiereserven aufgebraucht haben und demzufolge abgestorben sind. Auch Weiden auf denen zuvor Pferde oder Rinder standen, stellen keine Gefahr dar.
  • Man kann die Weidewechsel so planen, dass die Kontamination der Weiden verringert wird. So sollte im Frühjahr eine Weide (oder Parzelle) höchstens 3 Wochen und im Sommer höchstens 2 Wochen beweidet werden. Eine erneute Beweidung einer Weide findet dann erst nach einer Ruhepause von ca. 12 Wochen, wenn möglich mit Schnittnutzung, statt. Damit sind die Flächen zwar nicht frei von Larven, aber deren Anzahl wird reduziert.
  • Optimal wäre die Nutzung einer Weide, die im nächsten Jahr zum Austrieb vorgesehen ist, diesjährig nur zur Futtergewinnung (Heu, Silage) genutzt wird.
  • Die Tiere sollen natürlich regelmäßig auf ihren äußerlichen Gesundheitszustand beobachtet werden. Wichtige Punkte sind: Verletzungen, Geschwächte Tiere, Lahmheit, Durchfall, Ernährungszustand und das Haarkleid.
  • Frisches Wasser, Lecksteine und ggf. Mineralien sollen zur Verfügung stehen.
  • Eine geringe Besatzdichte ist einzuhalten. Falls die Weide im besagten Zeitraum (2 - 3 Wochen) nicht abzuweiden ist, wird die Weide in Parzellen mit elektrischen Wanderzäunen unterteilt.
  • Quarantäne für alle neu hinzukommenden Wiederkäuer.
  • Abwechslungsreiche Kost stärkt das Immunsystem auch bei Wiederkäuern. Neben Gräsern den Tieren auch Kräuter und Gebüsche anbieten. Auch gibt es natürlich vorkommende Pflanzen, die gegen Endoparasiten helfen können, wie Weidenrinde, Ulmenrinde, Eichenrinde, Tannenzweige, Walnussblätter und Blätter generell, weißer Gänsefuß, Kamille, Fenchel, Pfefferminze, Hagebutte, Brennnessel, Labkraut, und Thymian. Bei Nelken, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Wurmfarn ist jedoch Vorsicht geboten, da sie in hohen Mengen giftig, bzw. Wehen bei trächtigen Tieren auslösen können.
  • Die Körperkondition sollte in der Landschaftspflege durchschnittlich, aber auf jeden Fall nicht mager sein. Schon durch eine regelmäßige Kontrolle und sofortiges Abstellen von Missständen kann viel präventiv gegen die Auswirkungen der Parasiten unternommen werden.
  • Helfend gegen Parasiten ist die Schnittnutzung mit sofortigem Abtransport des Schnittgutes bei Trockenheit kontaminierter Weiden. Mulchen hat dagegen kaum einen Einfluss.


Quellen und weiterführende Informationen
 
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